Grosse Wende mit kleinen Inputs

Vereinsarbeit – Die Idee, Beratungsangebote für Vereine zu schaffen, hatte Philipp Moor schon lange. Der Geräteturnleiter des STV Vordemwald setzt sie nun mit vereinscoaching.ch um und freut
sich ob der grossen Nachfrage.

«Marketingtechnisch gäbe es mit unserem Thema einen riesig en Markt. Kaum ein Verein kämpft nicht mit Mitgliederschwund oder Vakanzen im Vorstand oder möchte seine Strukturen nicht verbessern», sagt Philipp Moor, «weil es aber kein Standardrezept gibt, sind verschiedene Lösungsansätze gefragt. Wir wollen Vereine zu fairen Konditionen beraten.» Damit ist treffend formuliert, was der Hägendörfer und seine Projektpartnerin Denise Hofmann mit vereinscoaching.ch anbieten. Das Ziel des Duos ist es, Vereine dazu zu bringen, sich Gedanken zu machen, was sie optimieren könnten, um lange weiterzub estehen.

Philipp Moor sammelte in den letzten Jahren viele Erfahrungen in der Vereinsarbeit. Im Turnverein STV Vordemwald übte er vom Technischen Leiter bis zum Vize- Präsident und zum Personal/ Eventverantwortlichen verschiedene Vorstandsämter aus, ist heute noch Leiter der Schulstufenbarrenriege «Goudschätz» und im Schweizerischen Turnverband für die Ausbildung der Wertungsrichter zuständig. Denise Hofmann hat als Marketingexpertin ihren Background in mehreren Vereinen, war zuletzt in der DR Scherz und wirkt in der Führungsausbildung des STV mit. «Während sechs Jahren als Technischer Leiter im Kreisturnverband Zofingen sah ich in viele Ver eine hinein», blickt Philipp Moor zurück, «oft wurde ich um Rat gefragt. Jeder Verein hat ja so seine ‹Sörgeli›.» Sukzessive trug der 41-jährige Familienvater seine Ideen, Konzepte und Inputs zusammen. «Irgendwann dachte ich, ich könnte eine Homepage zu diesem Thema gestalte.» So entstand www.vereinscoaching.ch, seit gut einem Jahr ist man Partner des Schweizerischen Turnverbandes und zeichnet dort im Vereinsmanagement fürs Coaching verantwortlich.

Heute steht Philipp Moor vor der Entscheidung, ob er dieses Hobby zu einem Teilpensum wachsen lassen will. « Die Nachfrage wäre zur Genüge vorhanden», sagt er. Aber Denise Hofmann und er möchten bei ihren für Vereine erschwinglichen Preisen bleiben, wenn sie ein Coaching aufgleisen und durchführen. «Das wäre wohl nicht mehr möglich, wenn wir weiter wachsen würden.» Denn derzeit beraten die beiden pro Monat einen bis zwei Kunden. Vorwiegend fragen Turn- und Sportvereine an, es gab aber auch Mandate bei Samariter-, Gewerbe- oder Musikvereinen. Bei einem ersten Treffen steht das Kennenlernen im Vordergrund. «Wir definieren Erwartungen, Ziele und das Vorgehen», erklärt Philipp Moor. Fusionen und andere Perspektiven Manchmal brauche ein Verein nur einen kleinen Input, bilde darauf hin Arbeitsgruppen und erarbeite selber ein neues Organigramm oder neue Pflichtenhefte für die Funktionäre. Oder er überprüfe sein Angebot, kreiere mit Unterstützung der Coaches neue Tätigkeitsprogramme. «Andere begleiten wir intensiver, moderieren Diskussionsrunden, entwerfen gemeinsam neue Visionen oder ein Leitbild.» Immer öfter sei Beratung zum Thema Fusion gefragt.

Philipp Moor, hauptberuflich als Personalentwickler tätig, begleitet Vereine, die sich zusammenschliessen möchten, über die einzelnen Generalversammlungen hinaus, damit die Wende zum Grossverein gelingt. Das Angebot von vereinscoaching.ch tönt nicht nach etwas völlig Neuem. Weil Philipp Moor und Denise Hofmann aber ganz individuell mit Vereinen arbeiten und viele eigene Erfahrungen einfliessen lassen können, scheinen ihre Tipps zu fruchten. Die Clubs schätzen die Aussensicht auf ihre Herausforderungen und Sorgen. «Wir konnten unsere Strukturen besser den geforderten Aufgaben anpassen und auch kritische Aspekte angehen», lautet etwa das Feedback vom Samariterverein Vordemwald nach einem Workshop. Die Rückmeldung der Vereine ist Philipp Moor wichtig:  «Wir frag en nach, wie weit initiierte Veränderungen sind, wie sich die Clubs entwickeln.» Im Idealfall braucht es die Coaches danach nicht mehr.

Bericht von Melanie Gamma, ZT Donnerstag, 28. Januar 2016